Ausstellungen 2007
02. Oktober 2007 - 13.
Januar 2007
Eröffnung: 30. 09. 2007, 17 Uhr
Strawalde: als ob
Bilder bis heute
Vom 2.10. bis 13.1.2008 zeigt
die Kunsthalle Darmstadt Werke
des Künstlers Strawalde, der den Kunstpreis der Stadt Darmstadt
im Jahre 1992 erhielt.
Zu sehen sind etwa 60 Arbeiten (Gemälde, Zeichnungen, Collagen)
von 1960 bis heute. Das Rahmenprogramm der Ausstellung ist u.a.
den bekannten Filmen Strawaldes gewidmet.
In seinen Gemälden und Collagen entwickelt Strawalde aus freien
„Schnörkeln“ und „Schlaufen“ ornamentale Weltformeln, die die Gestalt
von ‚freien’ Visionen, Landschaften oder Bildnissen annehmen können.
Strawaldes kalligraphische Kürzel sind gleichermaßen eigendynamische
Linie wie Abbild. Vergleichen läßt sich Strawaldes universelle Sprache
der „Ornamente“ und Rocailles u.a. mit Markus Lüpertz´ in den sechziger
Jahren entwickelten System schlaufenförmiger „Dithyramben“ als Zeichen
des Kosmos und jeder lebendigen Kunst.
Wegen seiner abstrahierten, schematisierten, in sich „kreisenden“
Bildsprache galt Strawalde im offiziellen Kulturbetrieb der DDR –
ähnlich wie später beispielsweise Eberhard Göschel - als ästhetizistischer
Ignorant gegenüber der Doktrin des Sozialistischen Realismus.
1961 erfolgte der Ausschluß aus dem Verband Bildender Künstler Deutschlands.
Nach einem zusätzlichen Studium der Filmregie wurde Strawalde ab den
sechziger Jahren zu einem der bekanntesten Dokumentarfilmer der DDR.
Anders als in seinen Gemälden widmete er sich zunächst in „realistischer“
Weise den Themen „Alltag“ und „Arbeiter“
In seinem bildnerischen Werk setzt Strawalde bis heute eine Mischung
von Gattungen und Materialien ein, verbindet Collage, Zeichnung, Malerei
und Fotografie. Dabei benutzt er oft „Bilder-im-Bild“, oder „Collagen in
der Collage“, um verschiedene Ebenen von Zeichen und Wirklichkeit
ineinanderzublenden. Überlagerungen in wörtlichem Sinne erzeugt er,
wenn er Abbildungen von Gemälden, Fotografien oder Bücher überzeichnet,
mit ‚Tags’ nach Art eines endlosen Graffity überzieht. Auf diese Weise
proklamiert er eine freie künstlerische Ordnung der Dinge nach lebendigen,
ornamentalen Regeln und materialisiert gleichzeitig seinen eigenen individuellen
künstlerischen Blick auf „Vorlagen“, legt seine Systematik von Wahrnehmung
und Abbildung offen. Die zwischen abstrakt und gegenständlich changierenden
Schnörkel, Strudel und Verflechtungen werden in wörtlicher Weise zu einer
persönlichen Handschrift. Diese Schrift stellt die Welt durch Zeichen dar
und ist gleichzeitig ein nur für sich stehender lebendiger Körper dynamisch
geschwungener, organischer Linien.
Seine ornamental durchgearbeiteten Bilder widmet Strawalde genauso
allgemeingültigen existentiellen Fragen wie konkreten politischen Geschehnissen.
So stehen Darstellungen wie das philosophische „Zeitbild“ von 1990 mit seinen
rätselhaften Verschachtelungen von Räumen und Zeichen neben Gemälden
wie „Frühlingsanfang 2003 (Bagdad)“, die auf die Politik anspielen, etwa
verschlungene dunkle Linienbündel zu Vorzeichen drohender kriegerischer
Auseinandersetzungen werden lassen.
In diesem Sinne hat Strawalde zu einer Universalsprache gefunden, die sich nicht
nur der Systematik von „abstrakt“ und „gegenständlich“ entzieht, sondern auch
vollkommen frei zwischen „ästhetizistischen“ und „engagierten“ Positionen
souverän wechselt.
Vita Strawalde
Strawalde wird 1931 als Jürgen Böttcher in Frankenberg / Sachsen geboren.
Kindheit und Jugend verbringt Böttcher in Strawalde in der Oberlausitz.
Nach diesem Ort wird der Künstler sich benennen.
1949 – 1953 studiert Strawalde an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden,
u.a. bei Wilhelm Lachnit. Er gerät in Widerspruch zur Doktrin des
Sozialistischen
Realismus.
1953 – 1955 erteilt er Mal- und Zeichenkurse. Unter seinen Schülern befindet
sich
Ralf Winkler, der als A.R. Penck bekannt werden sollte.
1955 – 1960 studiert Strawalde Filmregie an der Deutschen Hochschule für
Filmkunst in Potsdam-Babelsberg. Er betrachtet den Film als Medium, „soziale
und politische Wirklichkeiten“ abzubilden. In den frühen sechziger Jahren ist
er als Regisseur im Dokumentarfilmstudio der DEFA in Berlin tätig. Seine Malerei
findet im offiziellen Kulturbetrieb der DDR keine Anerkennung. Ihm wird
„Ästhetizismus“ zur Last gelegt.
1961 wird Strawalde aus dem Verband Bildender Künstler Deutschlands
ausgeschlossen.
1962 widmet er sich in seinen Filmen „gewöhnlichen“, körperlich arbeitenden
Menschen, vom Ofenbauer bis zur Küchenfrau, von Rangierer bis zur Wäscherin.
Beim Internationalen Dokumentarfilmfestival in Leipzig
1962 erhält er die „Silberne Traube“.
1965 wiederum fällt wird Strawaldes Spielfilm „Jahrgang 45“ der SED-Zensur
zum Opfer.
1978 findet die erste umfassende Strawalde-Ausstellung mit Gemälden und
Zeichnungen in Dresden, Karl-Marx-Stadt und Berlin statt. Gleichzeitig beschert
ihm sein Film „Martha“ zum Leben einer Trümmerfrau großen Erfolg.
1982 erwirbt die Nationalgalerie Berlin (DDR) ein Gemälde Strawaldes.
Im selben Jahr beteiligt sich Strawalde an einem Ausstellungsprojekt in Dresden
zum Thema Manet.
1989 wird Strawalde zum Mitglied der Akademie der Künste
Berlin (West) gewählt und zu Gastvorlesungen nach Hamburg eingeladen.
1990 ist er an Ausstellungsprojekten in Toulouse beteiligt, gleichfalls am
berühmten DDR-Kunstfestival in Paris, das der „alternativen“ Kultur des
„anderen Deutschland“ gewidmet ist. Hier führt er u.a. großformatige
MalAktionen durch.
Ab 1991 ist Strawalde Gastprofessor an der Sommerakademie Salzburg.
1992 erhält er den Darmstädter Kunstpreis und das „Filmband in Gold“ für sein
FilmWerk. 1997 wird ihm der Kunstpreis der Sächsischen Landeshauptstadt
Dresden zugesprochen, 1998 der Kunstpreis „Aus gegebenem Anlaß“ des
Sprengel Museums Hannover.
1999 erfolgt ein Ankauf von Gemälden Strawaldes für die Sammlung des Deutschen
Bundestags im Reichstagsgebäude.
2001 wird Strawalde das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der
Bundesrepublik Deutschland verliehen.
Ausstellungen Strawalde (Auswahl)
1961: Deutsche Akademie der Künste „Junge Künstler der DDR“, Berlin (G)
1978: Leonhardi Museum, Dresden (E)
1981: Galerie Mitte, Dresden (E)
1982: Galerie Mitte, Berlin (E)
1985: Galerie oben, Karl-Marx-Stadt (E)
1990: Zentrum für Kunstausstellungen, Neue Galerie im Alten Museum, Berlin (E)
1991: Art Frankfurt (Galerie Wullkopf) (E)
Städtische Galerie Saarbrücken (E)
„Erste Phalanx Nedserd“, Kunsthalle Nürnberg (G)
„Gestalt und Zeichen“, Alte Nationalgalerie, Berlin (G)
1992: Goethe-Institut Toronto (E)
1993: Galerie Condé, Goethe Instititut Paris (E)
1994: „La Cour d´Or“, Museum Metz (E)
Galerie des Goethe Instituts Brüssel (E)
1995: Esslinger Kunstverein, Villa Merkel, Esslingen (E)
1996: Leonhardi-Museum, Dresden (E)
1997: Galerie der „Griffelkunst“, Hamburg, (E)
1998: Museum Waldhof, Bielefeld, und Kunstverein Bielefeld (E)
Kunstmuseum Spendhaus und Städtische Galerie, Reutlingen (E)
2000: Galerie Karl Pfefferle, München (E)
2001: Stadtmuseum Jena (E)
2002: Japanisches Palais, Dresden (E)
2003: Bundeskanzleramt, Berlin (zusammen mit Lothar Böhme)
Lindenau-Museum, Altenburg (E)
2004: Landschaftsbilder der DDR, Rathaushalle, Frankfurt / Oder (G)
2004/ 2005: Kunst in der DDR, Kunst- und Ausstellungshalle der
Bundesrepublik Deutschland, Bonn (G)
2006: Galerie Karl Pfefferle, München (E)

Kleine Region Collage, 2006

Vision, 1959, Öl auf
Papier, auf Karton montiert
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Pfingstprozession
(Salvador), 2006

Zeitbild I, 1990,
Acryl, Collage auf Leinwand