Ausstellungen 2007
03. Juli - 09. September 2007
DIE STADTFOTOGRAFEN
Darmstädter Stadtfotografen 2002 - 2006
Marcus Düdder, Albrecht Haag, Franziska von Gagern, Katrin Heyer, Michael
Herold
Ausstellung unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters der Stadt
Darmstadt
"DIE STADTFOTOGRAFEN" präsentiert Werke der fünf
Fotografiekünstler, die in den Jahren 2001
bis 2005 Sieger des Wettbewerbs "Darmstädter Stadtfotograf" waren. Dieser
Wettbewerb geht
auf eine Initiative der Werkbund-Akademie Darmstadt zurück, die auch
jeweils die Jury einsetzt.
Die Künstler "erarbeiteten" sich nach ihrer Ernennung über einen Zeitraum
von ca. 1 Jahr das Darmstädter Stadtgebiet.
In ihren ausgestellten Werken betonen die Künstler jeweils vollkommen
unterschiedliche Aspekte von "Stadt".
Abrecht Haag (geboren 1970 in Darmstadt, Studium
Kommunikationsdesign, Schwerpunkt Fotografie, FH Darmstadt)
thematisiert Wege in die Stadt und in der Stadt als Bedeutungsachsen. Er
erforscht das urbane Territorium als
Zentrum offizieller und inoffizieller Verkehrssysteme, setzt Mikro- und
Makrostrukturen gegeneinander, präsentiert
Muster eines Kanaldeckels genauso wie flächendeckende Straßennetze, zeigt
die Stadt als Träger eines ornamental
organisierten Bildraums. Dabei widmet er sich auch der Semiotik der Stadt,
fokussiert Schilder- und Zeichensysteme
als verkehrstechnische oder logistische Kürzel. Auf diese Weise
reflektiert Albrecht Haag gleichzeitig die ordnungs-
stiftenden Prinzipien der Wahrnehmung, die eine Stadt als Gesamtgestalt
erst zusammensetzt.
Franziska von Gagern (geboren 1970 in Madrid, Studium Fotodesign,
FH für Fotodesign München) untersucht städtische
Areale auf lineare und flächige Strukturen, auf die Geometrie eines
urbanen Raums. Ihre Fotografien ordnet sie in
Dreier- oder Dreierkombinationen an oder komponiert großflächige Tableaus
aus einer Vielzahl von Bildern. Bei diesen
Gegenüberstellungen sind architektonische Elemente wie Fenster oder Dach
Verbindungselemente. Bei den Paarbildungen
ergeben sich überraschende formale und inhaltliche Bezüge. So ähnelt die
Kontur eines Jugendstilgebäudes beispielsweise
abgedecktem Gartenmobiliar. Mit diesem Prinzip unterlegt Franziska von
Gagern den Ansichten einer Stadt ein Netz formaler
Bezüge, das eine neue unvoreingenommene Sicht auf den alltäglichen
Lebensraum einfordert.
Michael Herold (geboren 1970 in Bogota/Kolumbien, Studium
Kommunikationsdesign, Schwerpunkt Fotografie, FH Darmstadt)
inszeniert die Stadt als Plateau der Menschen. Er zeigt zufällige oder
inszenierte Begegnungen, Porträts, menschliche Standbilder.
Vielfach dokumentiert er das – für europäische Augen – kaum
nachvollziehbare, grotesk anmutende Leid der Bevölkerung in
Lateinamerika, beispielsweise im kolumbianischen Bogata. Vor
architektonischen Kulissen zeigt er Menschen ohne Heim, die auf
der Straße oder in Kartons nächtigen. So läßt Herold eine Spannung
zwischen 'eigentlicher' Stadt und Menschen entstehen,
die die Städte bevölkern, nicht bewohnen. Im Stil eines lakonischen
Dokumentaristen präsentiert Herold die unüberwindlichen
Gegensätze von unbekümmertreicher und vollkommen verarmter Welt.
Marcus Düdder (geboren 1968 in Dortmund, Studium Fotodesign, FH
Dortmund) läßt leere Kulissen sprechen. Er präsentiert
beispielsweise Hörsäle, Büros und andere scheinbar nur durch ihre
Funktionalität charakterisierte Nutzflächen in öffentlichen
oder halböffentlichen Gebäuden. Düdder untersucht mit diesen Raum-Porträts
die Chiffren von "Sachlichkeit" und deren
hintergründige – teilweise abschreckende oder sterile – Ästhetik. So
werden visuelle Alltagskulturen dem Betrachter
bewußtgemacht, werden von automatisierten selbstverständlichen
Wahrnehmungsmustern abgekoppelt. Düdders Fotografien
von Umbausituationen – beispielsweise in einem Bonner Naturkundemuseum –
gestatten in wörtlichem Sinne einen Blick hinter
die Kulissen 'sachlicher' Präsentation. Die menschenleeren Orte, die für
Menschen gemacht sind, werden 'entlarvt', werden
zu einem Appell, gerade auch die funktionalen Areale einer Stadt auf ihre
ästhetischen und emotionalen Qualitäten hin zu betrachten.
Katrin Heyer (geboren 1977 in Pasewalk, Studium
Kommunikationsdesign, Schwerpunkt Fotografie, FH Würzburg) zeigt im
populären Sinne wenig repräsentative Architekturen – Industriebauten,
gewöhnliche Miethäuser, Bürogebäude, "Randwerke"
eben – wie der Titel einer Serie mit Darmstadt-Ansichten lautet. Diese
Bauten präsentiert Katrin Heyer wortwörtlich als "malerische"
Motive, zeigt farbliche Kongruenzen und Oppositionen in Ensembles banaler
urbaner Architektur, setzt Oberflächenstrukturen
gegeneinander, als komponiere sie ein abstraktes Bild. Folgerichtig
blendet sie tiefenräumliche Bezüge aus, arrangiert Architektur
als System von Flächen. Die Landschaftsserie "Blindes Land" zeigt in einem
Niemandsland außerhalb der Stadt Hügelketten,
Sackgassen, "blinde" Wege. Die 'bedeutungslosen' Landschaften erscheinen
ohne Handlungshöhepunkt, ohne Sensation. So
demonstrieren sie hintergründig auch die "Blindheit" des Betrachters, der
auf dramatische Bildhöhepunkte geeicht ist - und so
die Welt verpaßt.
Di - Fr 11 - 18 Uhr / Sa, So, Feiertage 11 - 17 Uhr, Eintritt 2,50 Euro / 1,50
Euro
![]() Albrecht Haag, Motiv Saarterassen, Saarbrücken ![]() Franziska von Gagern, Motiv Theresienhöhe ![]() Katrin Heyer, Motiv Umbau Staatstheater Darmstadt ![]() Marcus Düdder, Motiv Technische UNiversität Darmstadt ![]() Marcus Düdder, Umbauphase Kohlenwäsche, Zeche Zollverein, Essen ![]() Michael Herold, Motiv Bogota |