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Karl
Kels inszeniert mit seiner "Endlosprojektionsmaschine" Verwerfungen
im Zeitgefüge, Diskontinuitäten. Zu sehen sind im Film dynamische Muster,
die ausufern und sich wieder 'zusammenballen', rieselnde Punkte,
"weißes Rauschen". Ausgangsmaterial für die "Endlos-projektion" war ein
mit starrer Kamera gedrehter Schwarz-Weiß-Film, der den Flug eines aus
tausenden von Staren bestehenden Vogelschwarms zeigt. Die natürlichen
Bewegungsformen werden von artefaktischen "Störungen" des 16mm-Films
- von Rieseln, wandernden Punkten etc. - begleitet. Kommt der Film an
sein "Ende" bricht die Darstellung zusammen. Der Schwarm verschwindet
urplötzlich, um nach einer kurzen Pause im endlosen Zyklus wieder
aufzutauchen.
Karl Kels inszeniert eine vielschichtige Vermischung von Genres und
Präsentationsarten: Die "Endlosprojektionsmaschine" läßt den als Loop
wiederholten Film über eine Batterie von Spulen laufen. Die parallel
angeordneten Filmstreifen werden in gegenläufige Bewegungen versetzt.
Vor dem Auge des Besuchers entsteht eine - schwach angeleuchtete -
Szenerie
von verwirrenden Richtungswechseln. Das hölzerne Gerüst der
Projektionsmaschine läßt sich auch als kinetische Skulptur verstehen, die
den Film als bewegtes
- nicht zu durchschauendes Material - vorführt und mit dem mechanischen
Projektor an die Geschichte des Mediums erinnert.
Karl Kels thematisiert so vielschichtig die materiellen Qualitäten von
Film.
Der Film erscheint als dunkles Band in der "Maschine", erzeugt
artefaktische
Muster, die das Filmgeschehen begleiten, sich mit ihm verbinden, und wird
auf einer Rückprojektionsfolie gezeigt, die an transparentes Filmmaterial
denken
läßt. Auf diese Weise entsteht eine selbstbezügliche Untersuchung zum
Thema
Film, die jede Selbstverständlichkeit der Wahrnehmung in Frage stellt und
das
Klischee von "laufenden Bilder" erfolgreich demontiert.
* 1960;
1980 - 85: Studium an der Städelschule, Frankfurt am Main;
1985: Stipendium für das Deutsche Studienzentrum Venedig;
1986 - 87: Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes für New
York;
1989: Stipendium des Kunstfonds e.V.;
1991 - 93: Karl Schmidt-Rottluff Stipendium;
1994: Preis der deutschen Filmkritik (für den besten Experimentalfilm);
Hessischer Filmpreis (für den besten Kurzfilm);
1998: Stipendium der Stiftung Domnick des
Landes Baden-Württemberg;
2003: Stipendium der Hessischen Kulturstiftung. |