Ausstellungen 2002

Kunsthalle Darmstadt

14.04. 2002 bis 30.06. 2002

Muster Frau

Fides Becker - Valie Export - Maki Na Kamura - Bettina Rheims - 
Annegret Soltau - Alba D´Urbano - Minnette Vári

Fides Becker, Objekt(e) der Begierde«, Eitempera auf Leinwand, 1998

Vali Export, »Frau mit Hochhausarm«, Digitales Foto, 1989/90 Annegret Soltau, »Female Hybrids«,Digitalisierte Dia-Projektion, 2002

Maki Na Kamura, »a-ja-me«, 2001

Minnette Vári, Still aus »Oracle«, Videoprojektion, Loop, 1999

Bettina Rheims, »1er Février, Paris«, 
Serie: Chambre Close, Farbfotografie, 1991

Alba D´Urbano, »Kleid aus "il sarto immortale: couture", Computerdruck auf Textil, 1997«,

Muster Frau
In ihren Medien - Malerei, Video, Fotografie, Installation - umspielen und durchbrechen die Künstlerinnen der Ausstellung das Muster "Frau" in der Kunst - und in der Wahrnehmung. Sie schaffen Paradoxien, Erweiterungen und Verschleifungen von Rollen: Die Frankfurter Malerin Fides Becker inszeniert in ihren - von ornamentalen Mustern überzogenen - Gemälden eine Engführung von "Hausfrau" und erotischem "Vamp", Valie Export zeigt in ihren "Körperkonfigurationen" den weiblichen Körper als Maßstab für die Welt, als "modulus", der Landschaft und Architektur gleichermaßen "vermißt". Die Japanerin Maki Na Kamura führt in ihren Gemälden Frauenfiguren als frei belegbare "Projektionsfläche", als leere Chiffre, vor und setzt flächigen Rückenakten äußerst dynamische Bildhintergründe entgegen. In einem verschachtelten Spiel um Intimität unterlaufen die Fotografien von Bettina Rheims den voyeuristischen Blick, indem sie etwa ein erotisches Topmodel als gekreuzigten Christus 
präsentieren oder vom nackten weiblichen Körper durch überbordende ornamentale Interieurs ablenken. Annegret Soltau vernäht in ihren Montagen Fotofragmente, die verschiedene Generationen von Frauen zeigen, zu einer "Makrofigur". Das Klischee der idealen weiblichen Jugendlichkeit wird so ad absurdum geführt und das "Muster Frau" auch als Ergebnis der 
Historie verortet. Alba D´Urbano zeigt mit lebensgroßen Aktfotografien bedruckte Kostüme. 
So verkehrt sie die Pole von "nackt" und "angezogen" und entlarvt die erotische Körperlichkeit als Rollenklischee, das sich genauso 'anziehen' wie abstreifen läßt. In den bestialischen Videos der Südafrikanerin Minnette Vári wiederum erscheint die Nacktheit des Körpers als Zeichen einer kannibalischen Gier, mit der sich die Rollenfigur "Frau" mögliche Widersacher einverleibt.
In der Ausstellung "Muster Frau" entsteht so eine Kette von Analysen, Parodien, Verführungen und Zerstörungen, die die Rolle des weiblichen Körpers genauso austariert wie eine Kunst, die mit ihrem Eigenleben die bekannten Gender-Diskussionen weit überschreitet - ohne deren Bedeutung in Frage zu stellen.

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