Ausstellungen 2002

Studio

18.08.2002 bis 13.10.2002

WIRKLICH UTOPISCH 
Sven Kroner - Malerei


"Drive in", 2001, 230x280 cm
 


"o.T.", 2001, 240x290 cm

 


"o.T.", 2001, 240x290 cm

 

Sven Kroner - Malerei

Autobahnen, Fast Food - Restaurants, Ski-Pisten, Ausflügler am Baggersee - in seinen großformatigen Gemälden verbindet der Düsseldorfer Künstler Sven Kroner spielerisch Lapidarität der Gegenstände und "überhöhende" Monumentalität der Darstellung. Kroner legt Weltlandschaften mit erhöhtem Blickpunkt an. Gleichzeitig unterbindet er durch die ironisch inszenierte "Belanglosigkeit" jede zwingende kosmologische Allegorese, wie sie dem Bildtypus "Weltlandschaft" in der Tradition zukommt. Statt dessen präsentiert Kroner die banale alltägliche Verwendung von Landschaftsraum durch den Menschen.

Sven Kroners Bilder zeigen vielfach verwischte Farben. Der Künstler verdünnt die Acrylfarben solange, bis auf der Leinwand eine Art Aquarell-Effekt entsteht. Die Farben laufen ineinander, bilden halbtransparente, immateriell scheinende, leichte Flächen. Um einen Begriff aus einer Giacometti-Deutung Sartres zu zitieren: Die ins Gigantische vergrößerten "Aquarelle" erzeugen eine Art "absolute Distanz". Beim Nähertreten vermag der Betrachter nur eigendynamisch scheinende Farbverläufe zu entdecken, keine Einzelheiten der porträtierten Landschaft. Die Verwischungen wiederum läßt Kroner keineswegs als überbordendes, zweckfreies malerisches Mittel leerlaufen, sondern bindet sie unmittelbar in die Bildinhalte ein. Er zeigt vielfach strömende, bewegte Formen. So "ergießt" sich die Lawine ins Tal, so hinterlassen die Skier mäandernde Furchen im Schnee, und so schlängeln sich die Autobahnen dynamisch durch eine Berg-und-Tal-Landschaft. Die Farbströme werden in dieser Weise zum strukturellen Abbild bewegter, transitorischer Formen und Energieverläufe. Bei Szenen in der Dämmerung wiederum spiegelt die farbliche Diffusion das Zwielicht der gezeigten Umgebung wider, bei den Baggersee-Bildern das gleißende, flirrende Sonnenlicht, das jedes klare Fokussieren unterbindet. Sven Kroner nennt seine Darstellungen "Erinnerungsbilder". In diesem Zusammenhang können die Verwischungen und die dynamischen Verlaufsformen auch auf die Logik des optischen Gedächtnisses verweisen, das Einzelheiten vielfach nur summarisch erinnert und in die memorierte Welt Bewegungsmuster hineindeutet.

Sven Kroner erobert seiner Kunst die Welt der alltäglichen Banalität, definiert den Typus "Weltlandschaft" neu, spielt Aquarell und Ölgemälde gegeneinander aus und setzt den Eigenwert der Farben ein, um sowohl strukturelle Abbilder von Welt zu schaffen als auch auf die Wahrnehmungslogik des Künstlers zu verweisen. Diese Kombination ist sicher einer der Gründe für die Sogwirkung der Bilder von Sven Kroner.

Sven Kroner (*1973) lebt und arbeitet in Düsseldorf, Studium an der Kunstakademie Düsseldorf, Meisterschüler bei Dieter Krieg, 1999 Paul-Strecker-Preis für Malerei, Mainz; 2000 Förderpreis der Stadt Stadtlohn, Ausstellungen u.a. in Enschede, Xanten, Düsseldorf, Amsterdam, Mainz, Frankfurt a.M., Hamburg, Heidelberg. 

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