Ausstellungen 2001
Otto Ubbelohde
Kunst und Lebensreform um 1900

Im Rahmen des zweijährigen Centenariums, das an die Gründung der Darmstädter
Künstlerkolonie von 1899 und an deren erste bedeutende Ausstellung von 1901
erinnert,
präsentiert die Kunsthalle Darmstadt das Lebenswerk des hessischen
Künstlers Otto
Ubbelohde (1876 -1922).
Ubbelohde gehörte zu den Begründern der Münchner Sezession und war den
Gedanken der
Lebensreform verpflichtet. Das gezeigte zeichnerische und
druckgraphische Werk umfaßt
unter anderem Landschaftsmotive und
Illustrationen
zu den Märchen der Gebrüder Grimm,
die dem Künstler große
Popularität verschafften.
Die ausgestellten kunsthandwerklichen
Arbeiten
- etwa Bildteppiche - dokumentieren
Ubbelohdes Verbindung zur Stilkunstbewegung.
Das malerische Werk Ubbelohdes - dem in der Ausstellung die zentrale Rolle zukommt
-
gehört zu den Zeugnissen eines Naturalismus, der sich um die Jahrhundertwende
zunächst
dem Impressionismus öffnete. Ubbelohde, der an der Münchener Akademie
studierte,
überwand seine frühe zurückhaltende Palette unter dem Einfluß dieser populären
Weltkunstrichtung und des Jugendstils. Um 1905 entdeckte er in seinen Landschaftsgemälden
den - subjektiv ausgelegten - Selbstwert der Farben. Zur Bedeutung des Bildgegenstandes
äußerte sich Ubbelohde 1921: "Das ist eine ganz untergeordnete Frage". Im
späteren Werk
trat der Flächencharakter stärker hervor, begleitet von einer Verwebung
der Bildteile zu
einer großzügigen, expressiven Textur, wie sie auch seine Zeichnungen
und Radierungen
charakterisiert. Die Gemälde, speziell die Landschaften, veranschaulichen
die Rolle von
Natursehnsucht und programmatischer Verweigerung gegenüber der Vision
"Fortschritt",
die weit über Ubbelohde hinaus zentrale Strömungen der Kunst um
1900 prägten.
Im späteren Werk 'begrenzte' der Maler zunehmend seinen Blick in den
Landschaftsgemälden
wurde der Raum auf ein geradezu privates Maß reduziert. Es
entstanden zumeist Ansichten
der
Lahnlandschaft und farblich nuancenreiche Stilleben.
In seinen Gemälden verbindet Ubbelohde Bildsektoren, die eine 'moderne' Auffassung von
Farbe
zeigen, mit traditionellen Kompositionsformen. Darin besteht das Spezifikum der
Malerei Ubbelohdes.
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Ganz im Sinne der Lebensreform schuf Otto Ubbelohde sich eine eigene Kunstwelt. Das
selbstentworfene Atelierhaus im hessischen Goßfelden war eine architektonische
Verschmelzung
von stilisierten "volkstümlichen" Formen und Elementen des
englischen
New Style.
Es bezeugt die Auffassung der Kunst als einer ganzheitlichen
Lebenssphäre.
Die Lebensführung des Künstlers fügte sich in den Zeitgeist ein. Dazu
gehörten sowohl
die Bekundung der 'Volksnähe' als auch die Inszenierung des
Künstlerpaars Hanna und
Otto Ubbelohde.
Innerhalb der Jugendstilbewegung galt Ubbelohdes Interesse vor allem
dem
bilderzeugenden Kunsthandwerk.
Die wichtigsten Arbeiten sind Entwürfe für
die Scherrebeker Teppichmanufaktur.
Ubbelohdes
Bildmotive - Märchenszenen,
Tierdarstellungen und Landschaften gehörten
zu den erfolgreichen
Erzeugnissen der
Weberei. Ubbelohdes Teppiche sind gewebte
Gemälde.
Seine Motive
gehen stets über das
'Dekorative' hinaus: er schafft einen Kompromiß
zwischen naturalistischer
Darstellung und
Jugendstil, konzipiert bildnerische 'Erzählungen'
und 'Stimmungsträger'.
So bleibt er in
allen Gattungen seinem Idealprogramm der Malerei verpflichtet.