Ausstellungen 2001

Egon Schrick

Studio

Egon Schrick zeigt Panoramen einer 'entleerten' Welt. Der Betrachter 
schaut auf eine weite, einförmige Landschaft herab, die nur durch 
Abfolgen von emporragenden Stangen gegliedert ist. Die Stangen 
wirken wie funktionslose Masten oder wie Reste abgestorbener 
Vegetation. An manchen Stellen sind sie zu dunklen Linienbündeln 
verdichtet. Die Landschaften stehen in einem Zwielicht, das 
Einzelheiten verschwimmen läßt. Nur einzelne grelle Lichtzonen 
erhellen den Horizont. Die dämmerige, menschenleere "natura morta" 
wird vielfach von 'Dramen' heimgesucht. Blitze zucken über den 
wolkenverhangenen Himmel, Stürme peitschen Bäume zur Seite, 
erscheinen in den Zeichnungen als Wirbel, verschlingende Strudel.
Die entfesselten Naturkräfte überziehen ein menschenleeres, 
geschundenes Terrain. Die Welt wirkt wie nach einem Flächenbrand. 
Der Endpunkt ist erreicht. Es gibt nichts mehr zu zerstören. 
Die Landschaft ist ein von elektrischen Entladungen durchzuckter, 
zu einem kurzen flackernden Leben wiedererweckter Leichnam.



Bei allen Rückgriffen auf die Tradition der malerischen Darstellung 
von Sturm- und Gewitterlandschaften begnügt sich Egon Schrick 
nicht mit der naturalistischen Darstellung einer bedrohlichen 
apokalyptischen Welt.
In den dunklen Tableaus erscheinen Motive und Bezüge, die das 
mimetische Abbild, die bildnerische Illusion, durchbrechen. So 
überziehen grelle, scharf-züngelnde Lichtbahnen die weitangelegten 
leergefegten Plateaus, verlagern symbolträchtig die Kräfte eines 
zerstörerischen Gewitters auf die Erde.
Kreisförmige Wirbelstrukturen fungieren nicht nur als Abbild eines 
"Sturms", sondern überziehen das ganze Blatt, umfassen Himmel und 
Landschaft zugleich. Oft schließen diese großangelegten, sämtliche 
Bildgegenstände übergreifenden Bögen die Darstellung nach unten hin 
ab. So entsteht der Eindruck einer künstlichen Bildbühne. In diesem 
Zusammenhang lassen sich die 'verdorrten' Stangen wiederum als 
Träger perspektivischer Hilfslinien verstehen, die dem Betrachter 
bewußtgemacht werden.

Egon Schrick zeigt eine tote Natur. Gleichzeitig entlarvt er die 
Landschaft als Konstrukt. So erscheint die Kunst als Medium, 
das Abbilder schafft und gleichzeitig die übergeordneten Kräfte 
darstellt, die jedem konkreten Gegenstand der Natur vorausgehen. 
In dieser Hinsicht sind die zerstörten Landschaften eine große 
Allegorie, die 'sprechende' Bedeutung und suggestive Sogwirkung 
vereint.



Biographie:
1935 geb. in Krefeld. 1955 bis 1960 Architekturstudium an der 
Werkkunstschule Krefeld, Gestaltungslehre bei Prof. Gerhard Kadow. 
Bis 1977 Architekt in Worms. Seit 1960 Zeichnungen, seit 1977 
Performances, seit 1992 zeichnerische Rauminstallationen.
Zahlreiche Ausstellungen in Deutschland und Osteuropa.
Egon Schrick lebt und arbeitet in Berlin.

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